Montag, 2. September 2013

Schwarzwälder Kirschtorten-Eis – erfrischend-fruchtiger Klassiker

Sie ist wohl DER kulinarische Exportschlager schlechthin: die Schwarzwälder Kirschtorte (selbst beim Karneval in Rio). Und auch sie kann man in der warmen Jahreszeit kalt genießen – eine weitere Eis-Variante eines klassischen Nachtisch-/Kuchenrezepts aus Baden-Württemberg. Ob das Originalrezept der Torte dabei eher dem badischen oder dem württembergischen Landesteil zuzurechnen ist, ist bis heute unklar. So soll sie 1915 von einem Bäcker, der in Bad Godesberg arbeitete, erfunden worden sein – was der Tübinger Stadtarchivar vor einigen Jahren anzweifelte, nicht zuletzt wegen der nötigen Verfügbarkeit von Kühlschränken. Er sieht den Ursprung der Schwarzwälder Kirschtorte vielmehr in einem Café in Tübingen im Jahr 1930 – was wiederum das Stadtarchiv in Radolfzell in Frage stellt, wohin es den Bäcker nach seiner Station in Bad Godesberg verschlagen hatte.
Doch wie dem auch sei – im Schwarzwald liegt keiner der genannten Orte. Woher der Name dann kommt? Auch dafür gibt es viele Erklärungen. Der Tübinger Stadtarchivar bezieht sich in dem bereits erwähnten Interview auf das verwendete Kirschwasser, das vor allem aus dem Schwarzwald stammt, andere Quellen beziehen sich auf die Farben, die der Tracht (schwarz/weiß) mit Bollenhut (rot) entsprechen oder die dunklen Schokoraspeln.

Für Gscheitle 
Sicher dagegen ist, dass es sogar Vorschriften gibt, wann eine Schwarzwälder Kirschtorte diesen Namen auch verdient. Geregelt sind diese in den „Leitsätzen für feine Backwaren“ (S. 8 unten) – und besagen unter anderem, dass Kirschwasser nicht nur enthalten, sondern auch „geschmacklich deutlich wahrnehmbar“ sein muss. Um die Spezialität noch mehr zu schützen, unterstützt das Verbraucherschutzministerium übrigens ein Antragsverfahren für ein entsprechendes EU-Gütezeichen. Geht dieses durch, so könnte die Schwarzwälder Kirschtorte – allerdings frühestens 2015 – die bundesweit erste „garantiert traditionelle Spezialität“ werden.
Einen Rekord gibt es aber auch jetzt schon: Die weltgrößte Schwarzwälder Kirschtorte wurde 2006 im Europapark Rust hergestellt – aus unter anderem 5600 Eiern, 800 Kilogramm Kirschen, 700 Litern Sahne und 110 Liter Kirschwasser.













 Jetzt wird gschafft
Nach so viel Lesen und Infos geht’s nun ans Werk. Und das ist zwar, im Vergleich zum Träubleskuchen-Eis, zeitaufwändiger, aber genauso einfach. Zunächst lässt man die Kirschen aus einem Glas (da macht's dann auch weniger, dass dieses Jahr wohl weniger Kirschen geerntet werden) abtropfen und legt sie dann für eine Weile in 100 ml Kirschwasser ein. Danach lässt man die Kirschen erneut abtropfen und tränkt etwa einen viertels Schokobiskuitboden (Rezept hier), in kleine Würfel geschnitten, mit dem aufgefangenen Kirschwasser.
Basis für das Schwarzwälder-Kirschtorten-Eis ist ein Päckchen Eiszauber, das in 175 ml Milch und 175 ml Sahne geschüttet und nach Packungsanweisung geschlagen wird. In diese Creme werden 50 g Schokoraspel gerührt und alles in einer ersten dünnen Schicht in ein möglichst flaches Gefäß gefüllt. Auf diese Schicht kommen dann die abgetropften Kirschen und die getränkten Biskuitwürfelchen, darauf eine Schicht Eiscreme und so weiter. Diese Schichterei deshalb, weil sonst die Gefahr bestehen könnte, dass die schwereren Bestandteile alle nach unten rutschen. Und aus diesem Grund ist auch der Eiszauber vielleicht besser geeignet, als ein klassisches Rezept für Sahneeis (meist mit Eismaschine), in der die festeren Bestandteile wohl vermatschen würden.


Rezept
175 ml Sahne
175 ml Milch
1 Päckchen Eiszauber für Milcheis
1 Glas Kirschen
100 ml Kirschwasser (ungefähr)
Schoko-Biskuitboden, davon etwa ein Viertel
50 g dunkle Schokoraspel (ungefähr)